Julius Evola Daily

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Tag 25 — Nihilismus als Luft des Zeitalters

"Der Nihilismus ist die Luft, die die moderne Welt atmet. Er ist die fortschreitende Auflösung jedes absoluten Wertes, jedes höheren Sinnes und jeder Form, die einst über dem reinen Fluß des Werdens stand." — Julius Evola, Den Tiger reiten

Der Nihilismus tritt selten als Lehre auf. Er wirkt als unausgesprochene Voraussetzung, daß zuletzt nichts zähle außer der Befriedigung des Begehrens, der Vermeidung von Schmerz und der Verwaltung der Erscheinungen. Höhere Ansprüche gelten als persönliche Konstruktionen. Verlieren sie ihre Kraft, bleibt als Wirklichkeit nur das Spiel der Kräfte ohne Zentrum und ohne Ziel.

Evola sah, daß der moderne Prozeß mit Notwendigkeit in diesen Zustand mündet. Ist die vertikale Dimension verworfen und Autorität auf menschliche Übereinkunft reduziert, endet der Weg in der Einsicht, daß jeder Wert vorläufig ist. Viele junge Männer spüren das, ohne es benennen zu können. Sie fühlen die Leere unter den offiziellen Sprachen von Fortschritt, Einschluß und Selbstausdruck. Dieses Gefühl ist kein persönliches Versagen. Es ist die genaue Wahrnehmung der Luft des Zeitalters.

Die Gefahr liegt darin, die Leere als endgültig zu nehmen und aus ihr eine Lebensform zu machen. Die einen antworten mit Ironie, andere mit reinem Appetit, andere mit einer Suche nach Intensität, die das Horizontale nie übersteigt. Der differenzierte Mensch muß weiter gehen. Er muß den Nihilismus klar sehen und ihm dann verweigern, der Grund seines eigenen Daseins zu werden. Diese Verweigerung ist keine Rückkehr zu tröstenden Überzeugungen. Sie ist der Entschluß, zu leben, als gäbe es noch ein höheres Maß, und sich nach diesem Maß zu formen.

An diesem Punkt wird die Diagnose praktisch. Der Mann, der in einer nihilistischen Umgebung stehen kann, ohne von ihr aufgelöst zu werden, hat bereits die Arbeit begonnen, die Den Tiger reiten beschreibt. Er braucht die Bestätigung der Welt für seinen Maßstab nicht. Er hält ihn von innen.

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