Die meisten hören das Wort Tradition und denken an alte Bräuche, Familiengewohnheiten oder politische Nostalgie. Das ist die geläufige Bedeutung. Es ist auch die schwächste.
In dem hier gebrauchten Sinn bezeichnet Tradition eine vertikale Orientierung des Lebens. Es ist die Anerkennung, daß es höhere und niedere Weisen des Seins gibt und daß die höheren die niederen formen müssen. Sie weist nach oben. Eine Gesellschaft kann voll alter Formen sein und dennoch von dieser Orientierung abgeschnitten bleiben. Ein Mann, der unter den modernsten Bedingungen lebt, kann sie dennoch halten. Das Zeitalter, in das man hineingeboren wird, entscheidet die Sache nicht. Die Haltung entscheidet.
Man wird in fast jeder Instanz, die Autorität über junge Männer beansprucht, die entgegengesetzte Auffassung gelehrt haben. Schule, Medien und ein großer Teil der gewöhnlichen Unterhaltung behandeln Hierarchie als verdächtig und die Vorstellung höherer Lebensformen als gefährlich. Wenn man der traditionalen Sicht zum erstenmal begegnet, kann sie wie eine fremde Sprache wirken. Diese Reaktion ist normal. Die umgebende Kultur hat Jahrzehnte damit verbracht, die vertikale Dimension entweder absurd oder unmoralisch erscheinen zu lassen. Klares Denken beginnt damit, zu bemerken, daß das Unbehagen von der Umgebung erzeugt wird, nicht von der Idee selbst.
Diese Seiten sind kein Ruf, die Vergangenheit wiederherzustellen. Sie sind ein Versuch, eine Art des Sehens wiederzugewinnen, die die moderne Welt fast vollständig verloren hat. Die Arbeit beginnt mit der Orientierung. Alles, was folgt, hängt davon ab.