Julius Evola Daily

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Tag 6 — Höhere und niedere Weisen des Seins

"Das Wesen der Hierarchie besteht darin, daß in bestimmten Menschen etwas als Wirklichkeit lebt, was in den übrigen nur als Ideal, als Vorahnung, als unscharfes Streben gegenwärtig ist." — Julius Evola, über das Geheimnis der Degeneration

Nicht alle menschlichen Leben sind von gleichem Rang. Diese Feststellung verletzt das moderne Ohr, und doch ist sie eine der grundlegendsten traditionalen Einsichten.

Es gibt Weisen des Lebens, die vollständiger, selbstbesessener, mehr in Berührung mit dem Wesentlichen im Menschen sind. Es gibt andere Weisen, die zerstreut, reaktiv und von der unmittelbaren Umgebung beherrscht bleiben. Der Unterschied handelt nicht hauptsächlich von Reichtum, Bildung oder gesellschaftlicher Stellung. Er handelt von der Anwesenheit oder Abwesenheit einer inneren Hierarchie. Ein Mann, der sich geordnet hat, der ein Zentrum hat und nicht von jedem Impuls oder äußeren Druck beherrscht wird, steht höher als einer, der das nicht hat, unabhängig vom äußeren Erfolg.

Der größte Teil der modernen Kultur arbeitet daran, diesen Unterschied zu leugnen. Man wird sagen, jede Rangordnung menschlicher Typen sei eine Form von Gewalt. Die Lehre ist so gründlich, daß viele junge Männer Schuld empfinden, sobald sie wirkliche Unterschiede in der Qualität bemerken. Diese Schuld ist anerzogen. Sie ist keine natürliche Antwort auf die Wirklichkeit. Die Schulung als das zu sehen, was sie ist, schwächt bereits ihren Griff.

Die Aufgabe hier besteht darin, den Unterschied wieder klar zu sehen und aufzuhören, sich dafür zu entschuldigen, daß man ihn sieht. Klarheit an diesem Punkt ändert, wie ein Mann sich selbst mißt und was er zu werden bereit ist.

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