Die Demokratie stellt sich als die letzte und gerechteste Form politischer Ordnung dar. Der Anspruch ruht auf der Idee, daß die Macht von der zahlenmäßigen Mehrheit ausgehen solle und daß jede Stimme gleiches Gewicht trage. In traditionalen Begriffen ist das eine radikale Umkehrung. Autorität stieg einst von oben herab, von einem Prinzip, das höher stand als die Kollektivität. Wird dieses Prinzip verworfen, bleibt als Maß nur noch die Zahl. Das Ergebnis ist die planmäßige Erhöhung des Durchschnitts und die allmähliche Auslöschung des Ranges.
Der Prozeß der Nivellierung bleibt nicht beim Wahlzettel stehen. Er wirkt durch Sprache, Erziehung und die langsame Zersetzung jedes Maßstabs, der sich nicht auf Mehrheitsvorliebe zurückführen läßt. Eigenschaften, die einst einen höheren Menschentypus kennzeichneten, werden als Vorrechte umgedeutet, die abzutragen seien. Vorzüglichkeit wird geduldet, sofern sie der Masse dienen kann oder jeder Anspruch auf natürliche Überlegenheit von ihr genommen wird. Der junge Mann, der das Gewicht qualitativer Differenz noch spürt, wird merken, daß die offizielle Geschichte der Gleichheit unvollständig ist.
Es wird nicht verlangt, jede vergangene Hierarchie zu verklären. Viele geschichtliche Formen waren unvollkommen, einige waren verdorben. Die Forderung ist härter. Du mußt entscheiden, ob eine Gesellschaft, die alle Unterschiede des Typus als vorläufig oder unrechtmäßig behandelt, die höheren menschlichen Möglichkeiten noch hervorbringen und schützen kann. Fällt die Antwort verneinend aus, dann gehört die demokratische Voraussetzung selbst zur Diagnose. Sie gehört nicht zur Heilung.
Halte den Gedanken ohne Theatralik. Der Mann, der den Prozeß der Nivellierung klar sieht, braucht seine Ablehnung nicht bei jeder Gelegenheit zu verkünden. Er verweigert lediglich, daß der quantitative Maßstab die innere Hierarchie umschreibt, die er zu formen sucht. Diese Verweigerung ist bereits ein Akt der Differenzierung.